Fremdsprache, Sprache fremd
Ich liebe die deutsche Sprache. Ich forme Wortspiele mit ihr. Formuliere, texte, schreibe. Deutsch ist, was mir liegt. Deutsch ist, was ich kann. Für Fremdsprachen habe ich dagegen wenig Talent.
Ich besitze weder ein Gefühl für die Grammatik fremder Sprachen, noch habe ich ein Flair für die schöne Aussprache. So erkennt jeder gleich die Schweizerin in mir, egal in welcher Fremdsprache ich mich versuche (und das ist nun wahrlich nichts worauf ich stolz bin). Spätestens seit mich der selbst in ausgeprägtem Dialekt sprechende Kellner in Wien aufgrund meines auch sehr untypisch klingenden Hochdeutschs ausgelacht hat, bin ich meiner talentfreien Zone gewiss. Also akzeptiere ich, was nicht schönzureden ist und halte ausser Landes einfach meinen Mund.

Doch das für mich grösste Fremdsprachenübel bleibt das Französische: Gleich zu Beginn meiner Gymnasialzeit habe ich im Schulfach „Französisch“ den Anschluss verpasst. „Latein oder Mathematik“ hiess die Entscheidungsfrage nach einem Jahr. Aufgrund des missglückten Starts in den Französischunterricht schien mir Mathe das kleinere Übel. So entschied ich mich für das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium. Sechs Jahre Algebra, Stochastik, Vektorgeometrie, Trigonometrie und Statistik waren mir lieber als Latein zu büffeln. Mit einem gewissen Grad an logischem Denken und etwas Zahlenflair ausgestattet, fiel mir das dann gar nicht mal so schwer. Trotzdem blieb das Schulfach „Deutsch“ während der ganzen Schulzeit mein absolutes Lieblingsfach.
Nun bilde ich mir ein, die einzige reelle Chance mir eine Fremdsprache anzugeinen, sei Niederländisch zu lernen. Wieso komme ich darauf? Weil Niederländisch so Schweizerdeutsch klingt und sprachlich ziemlich nahe liegt. Denn wenn ich eins kann, dann ist es das Ableiten und Kombinieren von kleinsten Wortpartikeln, die ähnlich funktionieren – aber eben natürlich nur solche, die dem Deutschen ähneln. Einziger Nachteil meines Plans: Wer braucht – global gesehen – Niederländisch? Eine Weltsprache ist es ja nun wahrlich nicht – oder nicht mehr.

Kürzlich in einem französischen Überseedepartement ist mir diese Idee eingefallen. Denn wenn ich Französin wäre, würde ich Kreolisch lernen. Aus denselben Gründen – und mit denselben Nachteilen – wie eben fürs Niederländische beschrieben. In der französischen Karibik habe ich anhand der Ortstafeln gemerkt, wie Kreolisch und Französisch zusammenhängen. Für einen Laien wie mich sieht es ganz einfach aus: Jedes Wort ist auf Kreolisch so geschrieben, wie die damals eingeschifften Sklaven sich auf Französisch unterhalten haben. Es ähnelt dabei eher einer Lautschrift, die genauso formuliert ist, wie die Wörter ausgesprochen werden. Dabei haben die Ursprungssprachen der aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern stammenden Immigranten die Aussprache beeinflusst. Kreolisch ist sozusagen eine vereinfachte Adaption der gesprochenen französischen Sprache.
Heute heissen die Ortschaften auf Guadeloupe beispielsweise:
- Sentwòz (Französisch: Sainte Rose)
- Déhé (Französisch: Deshaies)
- Pwentnwa (Französisch: Pointe-Noire)

Einfach das Wort so lesen, wie es geschrieben ist und „französisch“ hinhören. Für mich klingt das simpel und logisch. Ach, … vielleicht sollte ich – trotz fehlendem Talent – Niederländisch lernen.
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