Alltagskomik oder die Ironie von schlampig platzierter Werbung …
PUNKT KOMMENTAR
PUNKT KOMMENTAR
verpackt Kantiges in runde Geschichten
From Alltagsgeschichten
Intimer Umzugsstress
An diesem Wochenende wird „gezügelt“ in Luzern. Es ist offizielles Umzugswochenende und auch unser Quartier scheint daran erkrankt zu sein: Überall parken Umzugswagen auf sonst unbefahrenen Gehwegen. Vor unbewachten weit geöffneten Eingangstüren stehen die Habseligkeiten der Weiterziehenden. Manchmal auch der Ankommenden. Fliegender Wechsel. Ein logistisches Meisterwerk, welches nur Direktbetroffene hinkriegen – irgendwie. Herrenlos stehen…
Hallo … hoi Gehirn
Mein Gehirn funktioniert wankelmütig und selektiv. Es gibt Bereiche, in denen ich mir jeden kleinen Scheiss bis hin zu komplett unnötigen Details merken kann. Und dann gibt es besorgniserregend grosse blinde Flecken, die gänzlich an meinen Hirnwindungen abzuprallen scheinen. Ich kann mir zum Beispiel merken, wer an welchem Anlass wie gekleidet war. Das können auch ganz unwichtige Gelegenheiten gewesen sein. Klar, dass ich noch weiss, was ich an meinem ersten Schultag anhatte [hellblauer Pullover zu hellblauer Hose und dazu am Rücken eine hellblaue Lederschultasche, die ich mir – neben der Farbe – nur ausgesucht habe, weil mir die weisse Comicmaus…
Fremdsprache, Sprache fremd
Ich liebe die deutsche Sprache. Ich forme Wortspiele mit ihr. Formuliere, texte, schreibe. Deutsch ist, was mir liegt. Deutsch ist, was ich kann. Für Fremdsprachen habe ich dagegen wenig Talent. Ich besitze weder ein Gefühl für die Grammatik fremder Sprachen, noch habe ich ein Flair für die schöne Aussprache. So erkennt jeder gleich die Schweizerin in mir, egal in welcher Fremdsprache ich mich versuche (und das ist nun wahrlich nichts worauf ich stolz bin). Spätestens seit mich der selbst in ausgeprägtem Dialekt sprechende Kellner in Wien aufgrund meines auch sehr untypisch klingenden Hochdeutschs ausgelacht hat, bin ich meiner talentfreien Zone…
(Schl)immer Morgen
Es war kein Tag wie jeder andere, das merkte Amelie schon am Morgen, als sie aufstand. Und dieses noch unbestimmte Gefühl sollte sich schon bald bestätigen. Auf dem Weg zur Arbeit wollte Amelie noch kurz in den Supermarkt bei ihr um die Ecke. Aber da war keine Ecke mehr. Wie durch Zauberhand schien über Nacht alles rund geworden zu sein. Alles sah ganz anders aus. Weit und breit bemerkte Amelie keine einzige Kante mehr. Amelie konnte sich kaum noch orientieren. Die ganze Umgebung wirkte wie ein flauschiger Berg aus hellen Wollknäueln. Alles war rund, weich und weiss. Diese verdrehte…
Das Zug-Glück
Ein Zug rollt kurz nach 23 Uhr aus dem Bahnhof Olten in Richtung Luzern. Er stoppt praktisch an jeder Haltestelle, wo Passagiere ein- und aussteigen. Der Zug ist nicht ganz voll, nur gerade so, dass jedes Abteil besetzt ist. In einem Abteil sitzt eine junge Frau Anfang zwanzig, die müde gähnt und offensichtlich froh wäre bald daheim zu sein. Sie sitzt in Fahrtrichtung alleine in ihrem Abteil. Um Punkt 23.10 Uhr steigt in Aarburg-Oftringen ein junger Mann zu. Er steuert zum Abteil, in dem die zarte Frau alleine sitzt und fragt sie in etwas zu lautem Ton – ohne die…
Jetzt habe ich mich so auf den Frühling gefreut. Und dann das!
Nach einer wahren Begebenheit (von heute Morgen). Heute Morgen, 8 Uhr. Ich erwache – für mich am Wochenende zeitig – und will noch etwas liegen bleiben. Ganz gemütlich. Ist ja schliesslich Sonntag. Mit halb zugekniffenen Augen schaue ich schlaftrunken an die gegenüberliegende Wand. Ich kuschle mich in die warme Decke. Und plötzlich entdecke ich einen…
Weihnachten
Immer am 24. Dezember haben meine jüngeren Geschwister und ich mit unserem Vater einen Weihnachtsausflug gemacht. Das war jedes Jahr so. Meine ganze Kindheit. Und es war jedes Mal wunderschön. Jedes dritte Jahr war auch unser Grossvater dabei. Unser Grossvater, das Familien-Christkind, das am selben Tag Geburtstag hatte. Ich erinnere mich: Gegen Mittag brechen wir auf. Warm angezogen und mit genügend Proviant ausgerüstet, steigen wir ins Auto und fahren von Ebnet Richtung Marbachegg. In Marbach wechseln wir auf die Gondelbahn, um auf den Berg zu kommen. Mein Vater besänftigt uns Kinder. Mir ist nie so wohl in der Luft und…
Stereotyper Körperkult
Schwitzend sitze ich auf einem Stuhl-ähnlichen Etwas. Ich bewege meinen Oberkörper vor und zurück, während ich in meinem Geist unhörbar auf zwanzig zähle. Jeweils zwanzig Wiederholungen. Immer wieder. Musik dröhnt in unterschiedlichen Stilrichtungen aus diversen Boxen und Räumen. Allen Tonfolgen gemeinsam ist ein auffällig taktgebender Rhythmus. Dazwischen schreit eine Frauenstimme militärische Anweisungen. Anscheinend gibt es Leute, die das animiert. Was mich persönlich wundert. Um mich herum stinkt und stöhnt es. Etwas unwohl in meiner Haut schaue ich herum und frage mich einmal mehr, was ich hier mache. Und mein schmerzender Rücken gibt mir sogleich die Antwort darauf. Nein, Fitnesscenter sind…
Blöd, aber glücklich
Der Artikel in der Sonntagszeitung vom 14. Juni 2015 hat mich eiskalt erwischt: Unter der Überschrift „Rabatte wirken wie Schmerztabletten“ erläutert die Autorin, weshalb wir auf Rabattaktionen und leuchtende Preisschilder reagieren. Demnach sind wir alle bloss von Neuronen gesteuerte Marionetten, die sich bei Kaufentscheiden von Reizen im Gehirn manipulieren lassen. Keine bewussten Entscheidungen also? Gerne würde ich diese Frage für mich dementieren, wäre mir nicht zwei Tage zuvor genau das im Artikel Beschriebene widerfahren: Ich bin bei den vielen leuchtenden Rabatt-Aufklebern automatisch von unschlagbaren Schnäppchen ausgegangen und habe ganz simpel auf die Schlüsselreize reagiert. Die rabattierten Preise waren im…



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