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Das Zug-Glück

Ein Zug rollt kurz nach 23 Uhr aus dem Bahnhof Olten in Richtung Luzern. Er stoppt praktisch an jeder Haltestelle, wo Passagiere ein- und aussteigen. Der Zug ist nicht ganz voll, nur gerade so, dass jedes Abteil besetzt ist. In einem Abteil sitzt eine junge Frau Anfang zwanzig, die müde gähnt und offensichtlich froh wäre bald daheim zu sein. Sie sitzt in Fahrtrichtung alleine in ihrem Abteil. Um Punkt 23.10 Uhr steigt in Aarburg-Oftringen ein junger Mann zu. Er steuert zum Abteil, in dem die zarte Frau alleine sitzt und fragt sie in etwas zu lautem Ton – ohne die…

Verstehen wir uns?

Wie unterschiedlich Frauen und Männer kommunizieren „Wo warst Du?“, fragt er mich, als ich vom Badezimmer zurückkomme. Wir sind zu Besuch bei seinen Eltern und wollen etwas später noch Freunde treffen. Damit ich fürs Ausgehen frisch aussehe, bin ich im Badezimmer verschwunden, um meine „Fassade aufzubessern“. So nenne ich das korrigierende Eingreifen in meinem Gesicht mit diversen, meist überteuerten, Schminkutensilien. Und so beantworte ich auch seine Frage. Ich kann es dann aber nicht lassen, ein etwas zu vorwurfsvoll klingendes „Siehst Du das nicht?“ hinterher zu werfen. Darauf reagiert er trocken: „Ah doch, siehst schon etwas frischer aus als zuvor.“ He,…

Blöd, aber glücklich

Der Artikel in der Sonntagszeitung vom 14. Juni 2015 hat mich eiskalt erwischt: Unter der Überschrift „Rabatte wirken wie Schmerztabletten“ erläutert die Autorin, weshalb wir auf Rabattaktionen und leuchtende Preisschilder reagieren. Demnach sind wir alle bloss von Neuronen gesteuerte Marionetten, die sich bei Kaufentscheiden von Reizen im Gehirn manipulieren lassen. Keine bewussten Entscheidungen also?   Gerne würde ich diese Frage für mich dementieren, wäre mir nicht zwei Tage zuvor genau das im Artikel Beschriebene widerfahren: Ich bin bei den vielen leuchtenden Rabatt-Aufklebern automatisch von unschlagbaren Schnäppchen ausgegangen und habe ganz simpel auf die Schlüsselreize reagiert. Die rabattierten Preise waren im…

Verlassenes Paradies

Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Jedenfalls war ich das – bis vor kurzem. Denn seit einigen Tagen ist alles anders.   Lassen Sie mich die Geschichte von Anbeginn erzählen: Ich hatte ausreichend Platz in dem alten, behaglichen Haus. Es gab Mitbewohner. Aber ich liess mich geschickt in der einen, ruhigen Ecke nieder. Dort war ich in der hübschen, kleinen Wohnung meist ganz für mich allein. Ich machte es mir dort gemütlich und richtete mein Leben so ein, wie es kaum schöner hätte sein können: Stets gab es Essen in Hülle und Fülle, so dass ich nie hungern musste. Auch wenn es…